(Erschienen: 20.11.2017, Schwäbische Zeitung)

 Maria Anna Blöchinger

Das Sams feiert prickelnde Premiere

Die Geschichte von Paul Maar hat das Ensemble genial als Bühnenstück umgesetzt


Frau Rotkohl (Christina Wallisch), Herr Taschenbier (Andreas Thiele) und das Sams (Birgit Martetschläger) sorgen für zauberhafte Verwicklungen

Frau Rotkohl (Christina Wallisch), Herr Taschenbier (Andreas Thiele) und das Sams (Birgit Martetschläger) sorgen für zauberhafte Verwicklungen

 

Ravensburg sz Am Samstagnachmittag bebt das ausverkaufte Figurentheater vor Energie und Spielfreude. Nach eineinhalb Jahren Vorbereitung und Proben ist den Schauspielern unter der Regie von Angelika Jedelhauser eine hinreißende Vorführung gelungen, die Theaterfieber garantiert.

Das rothaarige Sams mit seinen großen, dunklen Augen ist der Phantasie des Kinderbuchautors Paul Maar entsprungen. Das Sams hat sich Herr Taschenbier als Papa ausgesucht und bringt Schwung in sein Leben, das er mit seinem Freund Mon teilt. „Am Samstag kam das Sams zurück“ ist das zweite, 1980 entstandene Buch einer achtbändigen Reihe. In der Geschichte, die jetzt als Theaterstück Premiere feierte, sind Freundschaft und die Kunst des Wünschens zentrale Motive. Seit drei Jahren spielt das Figurentheater schon das Stück „Eine Woche voller Samstage“ nach dem ersten, 1973 entstandenen Buch.

Herr Taschenbier fiebert die ganze Woche nach Sams, der leider nur am Samstag kommt. Sein Verlangen ist so stark, dass er ganz aus dem Häuschen kommt. Andreas Thiele spielte ihn mit leidenschaftlichem, risikoreichem Körpereinsatz. Vermieterin Frau Rotkohl achtet dagegen auf Ordnung. Auf ein Täfelchen notiert sie die bedeutungsvollen Wochentage und nimmt es mit jedem Stäubchen auf. Christina Wallisch verkörperte die schwäbisch angehauchte Hausfrau, die ihrer Angst vor aller Art von Zauber Herr werden muss, sehr überzeugend und in zweiter Rolle einen amtlichen Ordnungshüter.

Der Wochenmagie von Herrn Taschenbier zufolge kommt am Montag Herr Mon. Mit Papagei Herr Kules bringt er Aufregung, dass die Wände wackeln. Dabei ist Mon, zartfühlend gespielte von Anton Wassermann, eine Seele von Mensch. Taschenbier aber mutet Mon einiges zu. Ob die Freundschaft das aushält? Am Donnerstag produziert Taschenbier einen gewaltigen Theaterdonner. Die Kinder im Zuschauerraum waren begeistert und ließen immer wieder ihr ansteckendes Lachen hören. Mit demselben Lachen kündigt sich das sehnsüchtig erwartete Sams an. Birgit Martetschläger hauchte der Phantasiefigur geschickt und geschmeidig ein zauberhaftes Leben ein. Dieses Sams, lieb, frech, ausgelassen, aber wenn es ums Wünschen geht klüger als sein Papa, fesselte Kinder wie Erwachsene. Das Sams verfügt über Wunschpunkte und bringt sogar eine Wunschmaschine mit.

Rasante Inszenierung

Das Ensemble hat eine rasante und raumgreifende Inszenierung erarbeitet, die den ganzen Zuschauerraum wie selbstverständlich mit einbezieht. Dank Kai Hackenstraß arbeitete die Technik reibungslos. Jürgen Segelbacher führte als Nachbar Herr Lürcher ein erstaunliches Gespräch mit Papagei Herr Kules. Mit kleinsten Mitteln versetzte die Dramaturgie das Publikum auf eine ferne Insel.

Weitere Aufführungen von „Am Samstag kam das Sams zurück“ gibt es am Sonntag, 28. Januar, Sonntag, 4. März, und Samstag, 28. April, im Figurentheater.

 

 


 

(Erschienen: 23.11.2017, Südkurier)

 Harald Ruppert

 

Das Sams erlebt eine traumhafte Premiere

Das Figurentheater Ravensburg bringt Paul Maars Kinderbuch "Am Samstag kam das Sams zurück" auf die Bühne – und landet damit einen ebensolchen Volltreffer wie 2014 mit "Eine Woche voller Samstage"

Frau Rotkohl (Christina Wallisch, links) ist vom Sams (geführt von Birgit Martetschläger ) nicht begeistert. Herr Taschenbier (Andreas Thiele) sieht’s mit Bangen. Die Premiere der Inszenierung von Angelika Jedelhauser war ausverkauft. Sogar im gerahmten Bild im Bühnenhindergrund wird Theater gespielt. Als Herr Taschenbier sich auf eine einsame Insel wünscht, geht hier das Spiel mit kleinen Pappfiguren weiter.

Das Sams hat das langweilige Leben von Herrn Taschenbier zwar tüchtig umgekrempelt – aber eines hat sich im zweiten Teil von Paul Maars Kinderbuchreihe rund um das Sams nicht geändert: Herr Taschenbier versteht sich immer noch nicht aufs richtige Wünschen. Zwar hat er, anders als im Märchen, mehr als nur drei Wünsche frei – aber auch so vergeudet er die Wunschpunkte im Gesicht des Sams, bis es fast zu spät ist und er sich das Einzige wünscht, was ihn wirklich glücklich macht: dass das Sams für immer bei ihm bleiben kann.

Wenn es das Figurentheater Ravensburg nicht schon lange gäbe, dann müsste man es sich mit einem Wunschpunkt herbeiwünschen – denn nachdem es vor zweieinhalb Jahren „Eine Woche voller Samstage“ auf die Bühne brachte, landet es nun mit der Fortsetzung „Am Samstag kam das Sams zurück“ erneut einen Volltreffer. Die Aufführungen sind ausverkauft und die nur vier Meter breite Bühne wird zu einer Welt, die sich immer mehr weitet, je kleiner und enger sie wird. Das liegt an einem besonderen Kniff von Regisseurin Angelika Jedelhauser: Als sich Herr Taschenbier nämlich in seiner Wohnung einen Urlaub herbeiwünscht, auf einer Insel mit Palmen und Sandstrand, wünscht er sich direkt in das Bild, das hinter ihm an der Wand hängt. In dieser gemalten Inselkulisse geht das Spiel mit kleinen Pappfiguren weiter – auf die sich mit brennender Aufmerksamkeit die Blicke aller Kinder richten. Denn hinter der Düne liegt ein Großwildjäger auf der Lauer, der das Sams fangen will...

Birgit Martetschläger, in unauffälliges Schwarz gehüllt, führt die Sams-Figur auf vollendete Weise. Ihr mädchenhaftes Kichern, ihre modulierfähige Stimme, ihre Gabe, sich wo immer möglich hinter dem Körper des Sams oder der Wohnungseinrichtung von Herrn Taschenbier zu verbergen, lassen ihre Anwesenheit vergessen. Umso lebendiger wirkt dadurch das Sams, das aus sich selbst zu leben scheint. Ein Publikumsliebling für Menschen jeden Alters ist Andreas Thiele als Herr Taschenbier. Er entwickelt einen clownesken Witz, als sei er sich dessen gar nicht bewusst und hat sämtliche Lacher auf seiner Seite, wenn er es mithilfe eines großen Blechs zwischen den Händen ausgiebig donnern lässt – weil es am Donnerstag nun mal donnern muss, damit das Sams erscheint. Sogar die Bauchrederei beherrscht er und verleiht damit Herr Kules seine krächzende Stimme. Herr Kules ist der Papagei von Herrn Mon, der Herrn Taschenbier immer montags einen Besuch abstattet – denn eines ist sicher: Wenn nicht Mon am Montag kommt, kommt am Samstag auch kein Sams. Anton Wassermann als Mon ist eine Schau: wann erlebt man schon ein so formvollendetes Poltern, eine solche Entrüstung wie von ihm, als er erfährt, dass Herr Taschenbier ihn immer nur wegen dem Sams eingeladen hat!

Und dann ist da natürlich noch Frau Rotkohl, ausgezeichnet verkörpert von Christina Wallisch: Verdrossen zieht sie die Schnute herab, entschieden führt sie den Besen; und wenn ihr was nicht passt, wird sie übergriffig wie ein Feldwebel in der Schlacht. An Herrn Taschenbier, ihrem Mieter, passt ihr freilich vieles nicht: nicht nur, dass er einem schweinsnasigen Wesen im Taucheranzug Unterschlupf gibt – jetzt beherbergt er auch noch den Papagei von Herrn Mon. „Ich wünsche, dass dieser Vogel sofort mein Haus verlässt!“, keift sie. Und weil man in Herrn Taschenbiers Wohnung Wünsche nicht folgenlos ausspricht, ist der Vogel plötzlich futsch – in den Fängen von Herrn Lürcher (Jürgen Segelbacher) nämlich. Der hält Herrn Taschenbier für eine sehr verdächtige Erscheinung und will ihm nun mithilfe des sprechenden Vogels endlich das vermeintlich dunkle Handwerk legen. Aber da ist er beim Polizisten (ebenfalls Christina Wallisch) an den Falschen geraten...

„Am Samstag kam das Sams zurück“ ist ein Reigen von Missverständnissen und Missgeschicken, den man sich bunter nicht wünschen könnte. Nicht einmal mit den Wunschpunkten des Sams.

 
 

Straßentheater-Festival am 16.9.2017

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Das Figurentheater Ravensburg gewinnt Landes-Amateurtheaterpreis Baden-Württemberg

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Offizielle Website des LAMATHEA-Wettbewerbs

Worte der Jury

„Mit dem Missverständnis von Albert Camus hat sich das Figurentheater Ravensburg einen nicht gerade leichten Stoff für seine Figurentheaterbühne ausgewählt. In der Herangehensweise und der daraus resultierenden Umsetzung gewinnt die Theatergruppe dem Stoff eine neue Dimension ab. Die Rollen sind quasi doppelt besetzt – nämlich mit der lebensgroßen Figur, die je ein/e SpielerIn vor sich trägt und der Spielerin / dem Spieler, die in ganz bestimmten Momenten die Figur beiseitelegen und nun selbst die Rolle verkörpern. Während die kalte Seite des Charakters als Figur zu sehen ist, wird die menschliche Seite von der Spielerin / dem Spieler selbst dargestellt. Die unheilvolle Stimmung wird durch das minimalistische Bühnenbild, die Sprache, die Beleuchtung und die Musik noch verstärkt.

Möge der Preis dazu beitragen, dass das Ensemble weiterhin den Mut aufbringt, ungewöhnliche und anspruchsvolle Stücke für Erwachsene auf der Figurentheaterbühne zu verwirklichen.“


"Es stecken über zwei Jahre Arbeit dahinter“

Interview mit dem Regisseur Andreas Banitsch in der Schwäbischen Zeitung vom 20.06.2017

DOC-20170623-WA0001
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