(Erschienen: Schwäbische Zeitung, 25.02.2013)

Die Neuentdeckung des Papiertheaters

Crictor, die gute Schlange: Figurentheater Ravensburg inszeniert das Bilderbuch von Tomi Ungerer in einer gelungenen Premiere

 

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Das Figurentheater Ravensburg hat mit dem Stück „Crictor, die gute Schlange“ Premiere gefeiert. (Foto: Sabine Frangoul)

Von Sabine Frangoul

RAVENSBURG Dort, wo heute im Wohnzimmer der Fernseher steht, stand vor mehr als 100 Jahren in vielen Familien ein Papiertheater. Auf diesen kleinen Bühnen brachte man nach dem Vorbild der großen Theater alles zur Aufführung, was die Spielpläne hergaben. Aus Papierbögen wurden Bühnenbild und Figuren ausgeschnitten und die ganze Familie, Nachbarn und Freunde zum Mitspielen und Zuschauen eingeladen. Nach Art des Papiertheaters hat das Team des Figurentheaters Ravensburg unter der Leitung von Dorothea Gfell das Bilderbuch „Crictor, die gute Schlange“ von Tomi Ungerer inszeniert und am Sonntag Premiere gefeiert.

Ein merkwürdiges Paket

Theaterbücherwurm Professor Waldemar Wurmbucherer gespielt von Rosi Sauter betritt die Bühne und erzählt den Kindern von seinem Lieblingsbuch: „Crictor, die gute Schlange“ von Tomi Ungerer. In einer kleinen Stadt in Frankreich lebte einmal eine alte Dame, die Madame Louise Bodot hieß. Eines Morgens brachte ihr der Postbote ein merkwürdiges Paket. Madame Bodot kreischte, als sie es öffnete. Es war eine Schlange darin und zwar eine „Boa constrictor“, weshalb die Madame ihr neues Haustier ganz einfach „Crictor“ nannte.

Die wunderbare Freundschaft zwischen Schlange und Madame sowie deren Abenteuer brachte das Figurentheater mit liebevollen Details und pointierten Interaktionen auf die Bühne. Der Bücherwurm als Erzähler auf der Bühne, teilweise mit Crictor in Form einer Plüschschlange, und das traditionelle Papiertheater im Hintergrund als „zweite Spielebene“ mit liebevoll gestalteten Figuren lieferten ein gelungenes Wechselspiel und gestalteten so die spannende Handlung.

Die typisch französische Akkordeon-Musik, live gespielt von Siegfried Maier, passte sich wunderbar in die Geschichte ein. Die unterschiedlichen Spielebenen sowie der regionale Bezug zu Ravensburg zogen die kleinen und großen Zuschauer in ihren Bann. So wurde zum Beispiel von Crictor ein Einbrecher gestellt, der zuvor sein Unwesen im „Reischmann“ und bei Ravensburgs Oberbürgermeister Rapp getrieben hatte.

Alles in allem eine sehr gelungene Aufführung mit neuen Ansätzen von Spielleiterin Dorothea Gfell, Bühnen- und Figurenbauern Liane Schläfer, Hanspeter Gfell und den Spielerinnen Heidrun Clus, Juliane Kull, Rosi Sauter und Brigitte Stalter. Und vielleicht wird ja Zuhause das eine oder andere Papiertheater nachgebaut und das Lieblingsbuch zum Leben erweckt.

Weitere Aufführungen sind am 10. März und am 20. April um 15 Uhr.

 

 

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